2 Tage im August II

Der permanente Nieselregen ist mittlerweile einem massiven Guss gewichen. Und als ich etwas genervt in den Himmel schaue, beschließt Petrus, daß man da durchaus noch eine Schippe drauflegen könnte. Danke, du Arsch! Zur Vergeltung lege ich Michael McDonalds Blink of an Eye auf. Aber wenn man dazu keinen Diesel starten kann, der einem das Gefühl von Vortrieb gibt, ist das auch etwas unsinnig. Neben mir läßt einer der Trucks seine Maschine an. Neidisch lausche ich den 24 Litern Hubraum, die da ihre Arbeit aufnehmen. Ich will auch so etwas. Einen großen, zuverlässigen Motor, der einen 30 ft Trailer wegzieht wie ein Stück Wurst vom Sandwich. Mein Gott, ich liebe Trucks beinahe so sehr wie Motorräder.

Dem Wetter zum Trotz ziehe ich die Lederjacke an und mache einen Erkundungsgang über das Gelände. Wir sind von Drahtzäunen umzingelt, keine Pommesbude, kein Kiosk – gar nichts, nur eine graues Zollgebäude. Vor uns der Rhein, eine Brücke ohne Fussweg. Perfekt zum verhungern. Cheffe versucht vermutlich, mit Hilfe einiger Bauarbeiter von der Straße seinen Laptop aufzuklappen, der Altgeselle den Scanner zum Leben zu erwecken, während sich die Schweizer Spedition wundert, warum am anderen Ende der Leitung nichts passiert. Besser wieder ins Fahrerhaus meines Mickey-Mouse Autos. Ich bekomme bei den Tonnen von Stahl und Aluminum hier noch Komplexe. In meinem nächsten Leben mache ich das große Patent und dann darf ich das auch. Neben dem Lappen für große Yamahas.

Jetzt wird es eng. Das Telephon ist auf 10 % und als das Ding altersschwach klingelt, brülle ich los: Wie geht diese Scheißsteckdose hinter dem Sitz an, damit ich das fucking Handy laden kann? In einer langen, langen und auch etwas traurigen Geschichte bekomme ich zu hören, daß es ein oder mehrere Adapter inklusive USB3- Kabel gibt. Da mußt du nur da und dort und das weiß doch jeder. Ja, das ist sehr schön, daß das jeder weiß. Ich weiß, daß es 16:00 Uhr ist, und langsam müßt ihr Euch etwas einfallen lassen. »Warte, das Telephon klingelt gerade, ich rufe zurück« Das hat er in den vergangenen Stunden nicht gemacht, wird er also auch jetzt nicht. Was soll ich tun? Entweder die Schweizer kriegen das hin oder ich besaufe mich mit polnischen Truckern. In wilden Fieberphantasien überlege ich, wie ich den Motor dazu bekomme, mir noch 10 km Laufleistung zu schenken. Den Polen um etwas Werg bitten, etwas Gummi schmelzen, den Rest mit Gaffatape : Ich werde hier nicht verhungern! Da wäre noch der 5l Kanister mit Kühlwasser von der Raste – das geht schon irgendwie!

Nun ist es 13 Minuten vor 5. Das wars dann wohl. Es klingelt – »Geh sofort zum sdfercvg- Customer Service. Lauf los!« Ich verstehe kein Wort, setze meine Arsch aber brav in Bewegung. Das Unwetter beschleunigt die Schritte deutlich. Der Vorhof zur Hölle ist ein Zollamt am Freitag kurz vor Dienstschluß. Von den etwa 30 Schaltern sind noch 3 geöffnet, um die sich eine Legion von Truckern versammelt hat, die alle noch irgend einen dummen Stempel brauchen. Ich haste hin und her, bis mich eine Hand an der Schulter bremst. »Ey, Junge, was suchst Du?«. Ein alter Trucker ( ein sehr alter Trucker) sieht mich an und fragt noch einmal »kann man dir helfen?«. Ich radebreche etwas von ASCD-Customer Service und wo und wie – er ganz ruhig »ah, ALS Customs Services«. Er schlurft an meine Seite aus der Reihe der Wartenden heraus, nimmt meine Hand – neben mir gehen 50 Jahre durch das Lenkrad gebeugt und auf Straßen verschlisses Leben – , er sieht genau so beschissen aus wie ich, nimmt meine Hand und führt mich zu einer Treppe: »Junge, da gehst du jetzt hoch, dann geradeaus und dann links. Ich bleib mal hier, Treppen sind nicht so meines«. Ich bin noch ganz erschüttert… nimmt meine Hand… nahe einem religiösen Erweckungs-Erlebnis und renne die Treppe hoch. T+3 Minuten. Vor besagtem Schalter finde ich meinen polnischen Kumpel wieder. »Na, noch Durst?« Das wird sich gleich zeigen. Als der Kumpel fertig bedient ist, ich. Moin, mein Chef, der (Name) hat hier angerufen und ich … »Bist Du von (Name meiner ehemaligen Schweizer Arbeitgeber)?« Ja, der und kein anderer. »Na, dann gib mal her den Wisch.« Sie nimmt mir die Papiere aus der Hand und geht zu ihrem Computer und fügt nach ein, zwei Fragen einen weitern Reigen Blätter zu meiner Sammlung dazu. »So, und jetzt sehr schnell zu den Kollegen vom Schweizer Zoll nach unten (genaue Wegbeschreibung), die haben noch 2 Minuten auf, aber ich ruf die schnell an. Und jetzt lauf!« Ja, und ich laufe. Meine neuen allerbesten Kumpels sehe mir amüsiert nach, während Ich zu den Schweizern laufe. Der wartet schon am Tresen, die Ruhe der Alpen in Person. Zum Computer, ein Blick hier einer da, einen Haken unter einen Wisch und der Hinweis, daß ich damit noch zu den Deutschen müßte.

Ich stehe in einer sehr langen Schlange von Wartenden unter Truckern aller Nationen. Man könnten fast glauben, daß es keine deutschen Trucker gäbe. Irgend einer in der Schlange hat von hinten eine große Flasche Cola nach vorne weitergegeben; jeder nimmt sich einen Hieb, auch ich und reiche die Buddel weiter, ganz leise, ganz freundlich kurz vor Dienstschluß beim Zoll. Ich gehöre nicht dazu, zu dieser Gesellschaft der Reisenden, nur für Minuten haben sie mich aufgenommen, freundlich, leise und sehr höflich. Langsam beschleicht mich das Gefühl, gewonnen zu haben. Irgendwann bin ich dran, werde vorsichtig an eine leeren Counter geschubst. Eine junge Frau nimmt sich die Blättersammlung, holt sich das Passende raus und macht (in der gefühlten 50 Mal längeren Zeit wie die Kollegen) einen Haken unter das letzte Papier. »Sie können weiterfahren!«

Nein, das kann ich eben nicht! Jetzt kommt der ADAC (oder auch nicht). Cheffe weiß das auch nicht so genau, aber der große MAN-Truck mit dem ADAC-Aufdruck ist wohl der ADAC. Der muß auch etwas größer seine, denn einen Smaart fahre ich nun auch nicht gerade. Der Fahrer hat schlechte Laune (hätte ich bei dem Wetter auch). »Ob ich im ADAC wäre?« Ich habe keine Ahnung! Ich fahre XJ900, FJ1200 und noch das eine oder andere… ADAC… das ist doch was für Autos?« Wie sich herausstellt, besteht die ADAC-Versicherung nur für für den Firmeninhaber als Fahrer, nicht für irgendwelche Lakaien. Wenn ich fahre, habe ich also ein Problem. Ich sage dem Mann ganz, ganz deutlich daß mich das im Moment einen Scheißdreck interessiert und ich hier weg will – egal wie! Das beeindruckt ihn wenigstens soweit, daß er meine Karre auf die Schleppachse läd (»Gang raus, Handbremse los, Zündung aus«) und neben ihm ist ein trockener Platz. Bis zu Weil am Rhein sind wir recht gute Kumpels und ich kenne so ziemlich alle Fährnisse, die einem Abschleppfahrer so begegnen. Wenn auch nur ein Viertel von dem stimmt, was er so erzählt, ist das ein echter Scheißjob – vermutlich stimmt alles.

Mercedes Nutzfahrzeuge finden sich schwerlich in der Innenstadt, also bringt mich der ADAC dorthin, wo ich hingehöre. Ins Industrieviertel! Das Wetter hat sich um die Silbe »Un« erweitert und wir rollen auf den Hof mit leuchtendem Silberstern. Er am linken und ich am rechten Rad an den Gurten und die Karre kann wieder gesteuert werden. Wir stehen beiden in strömendem Regen und sehen uns an. Er in kleidsammen ADAC-Dress, ich in T-Shirt und Jeans, klitschnass bis auf die Haut. »Soll ich Dich zu einem Hotel fahren?« Hab ich eine Wahl? Da sollen die ganzen Holländer absteigen zum saufen – das würde mir gefallen! Nein, ich habe keine Wahl, dafür das Vergnügen, mit seinem MAN auf dem knirschenden Kiesweg vor dem Hotel bis zur Tür gefahren zu werden – das lässt er sich nicht nehmen.

Die Rezeptionistin ist von meinem Aufrtitt bestimmt enorm beeinduckt, läßt sich das aber überhaupt nicht anmerken. Der schnellste Weg, mich los zu werden und eine noch größere Pfütze um mich herum und auf dem Tresen zu verhindern, ist, mir ein Zimmer zu geben. Ein grandioser Sieg der Vernunft gegenüber einem abgrundtiefem Misstrauen. Zimmer 108 mit Frühstück, nichtraucher, keine Tiere, keine Orgien! Das Hotel hat überschlägig 600 Zimmer, aber nur einen funktionsfähigen Fahrstuhl, eine Hotelbar und ein Restaurant. Das reicht! Die triefenden Klamotten gegen gegen stockfeuchte getauscht und erst mal Frühstücken, das ist heute nämlich ausgefallen. Das »Restaurant« wäre allein eine längere Geschichte wert. Es ist ein Kasperletheater: Das Stück, das heute gegeben wird, nennt sich »Mexikanisches Restaurant«, Pommesbude mit Verkleidung… irgend so etwas. Die Kellnerin, rot geschminkt mit Tuch um die Hüfte, entschuldigt sich vielmals, daß sie keinen Schimmer hat, was ich von ihr will (Essen, nur Essen – sonst nix!). Das wäre ihr erster Tag (dachte ich mir schon) und das alles ist so aufregend. Das Gefühl teile ich. Ich will ein großes Filet – ja, das große und das rare. Ohne Pommes, ohne Salat, ohne Feuerwerk. Mit einem Stück Knoblauchbrot, das reicht. Und Riesling, trocken und viel davon.

Ruhe, jetzt ist endlich Ruhe! Ich lehne mich zurück und lasse den Wein durch die Gurgel rinnen. Das Telephon ist abgeschaltet wegen Ruhe und hinter mir fliegt ein Tablet mit Gläsern auf den Steinfußboden. Ich sehe mich relativ uninteressiert um; es nicht die »Neue«, sondern ein Chaot mit Sombrero und auch Tuch um die Hüfte. Ich füge ein leises »Ole`« hinzu und widme mich der Vorspeise. Als ich damit fertig bin, rauscht ein Stapel Teller von der Spüle ins leere Becken. Diemal ist es die »Neue«. Vom anderen Ende des Saales zerspringt als Antwort ein Glas auf dem Boden. Wo zum Teufel bin ich hier gelandet? Die drei Kellner scheinen mit Geräuschen zu kommunizieren. Das Filet ist so einigermaßen kurz vor well done und kommt mit einem Bottich Pommes. Ob ich Ketchup dazu will? Nein, eher gar nicht, aber da ruft schon der Nebentisch irgend etwas und die Aufmerksamkeit pendelt in eine andere Richtung. Dafür ist der Wein schon wieder alle. Dafür war ich jetzt schon wieder zu langsam! Ich beschließe, weiterhin die Schweizer Alpen zu sein. Ein älteres Paar ist hinter mir aufgestanden – soweit ich das mitbekommen habe, ohne etwas zu bestellen; wir kamen ungefähr zeitgleich – und zieht jetzt mit steinernen Mienen von dannen. Ja, kann man so machen. Ich aber will ja zum Abschluß noch einen Cognac. Auf der Karte stand etwas von Hennesy VSOP, bestellt vor einer halben Stunde und wohl noch auf der Autobahn. Nach einer angemessenen Wartezeit winke ich mit einer roten Karte (Nord LB) und bezahle. Ich werde es mal an der Bar versuchen. Der Maschinist berichtete aus Berlin, ich wollte es nicht glauben, aber die haben tatsächlich irgend so ein Programm auf ihre Tablets, auf denen man 20,10 und 5 Euro Tip anwählen kann. Angegraut und versteckt gibts dann noch »gar kein Trinkgeld«. Mal ganz ehrlich: In welcher Pommesbude gibt man 20 Euro Trinkgeld! Oder auch nur die Hälfte. Bei allem Verständnis für die »Neue«, aber alleine die Existenz einer solchen Bezahlmethode (oder Wegelagerei) läßt bei mir sämtliche Alarmglocken tönen ob des Verteilerschlüssels, wenn es den denn überhaupt gibt. Mir hielt jedenfalls ein pickelgesichtiger Jüngling ein Tablet mit der Rechung unter die Nase mit besagten Auswahlmöglichkeiten mit einem falschen, widerwärtigen Gesichtsausdruck; tut mir leid, »Neue«, aber so nicht. Dir hätte ich einen Schein (irgend einen) in die Hand gedrückt, aber nicht dieser Fratze. Widerwärtig.

An der Bar bekam ich dann meinen Cognac, natürlich einen VS, eingeschänkt mit der Hand auf dem Label und VSOP auf der Rechnung; für wie blöde haltet ihr mich eigentlich? Carathotel, falls es jemand interessiert. Aber all das war mir herzlich egal.

Ich hattet die nötige Bettschwere und stellte fest, daß es sich auf einem nahezu kreisrunden Parkplatz 100 Meter vor der französischen Grenze bei weitem besser schläft als dort. Das Frühstück »full english« überspringen wir mal besser; meine Kommentare wären eventuell justiziabel. Es gab Kaffee, soweit zu den positiven Aspekten.

Mercedes Nutzfahrzeuge liegt 4 Minuten Fußmarsch entfernt – genial! Der Kaffee, den mir eine wirklich aufregend schöne schwarze Dame am Tresen anbot, übertraf meine kühnsten Erwartungen. Ich gab mir alle Mühe, sie nicht allzusehr anzustarren, aber die war schon ganz besonders. Wie der Kaffee. Himmel hilf! Was für eine Schönheit! Ich war kurz davor, sie zu fragen, ob ich sie photographieren dürfe. Aber ich war ja wegen Unfall da und war auf das Wohlwollen aller Beteiligten angewiesen. Ich Idiot! Ich habe kein Bild von ihr gemacht – wirklich bescheuert! Sie lotste mich durch den Tag, hatte ein Eis für mich, eine Flasche kalter Cola, die Telephonnummer vom Meister des Ladens… in stillem dankbarem Angedenken! Auf der Rückseite der Werkstatt (Halle) war es so öde, wie man sich das vorstellen mag. Cheffe rief an und ab an und berichtete, mit welchen Engelszungen er die Werkstatt bekniet hätte, die Karre irgendwie wieder flott zu bekommen. Das will ich gerne glauben. Der schwäbische Meister der Nutzfahrzeuge, der mich nach zwei Stunden Wartezeit auf die Grube wies, hatte wohl ein gehöriges Quantum davon abbekommen.

Hätte er auf Schweizerdeutsch geredet, hätte ich es verstanden, aber das was mir da entgegenbrummte, kann ich nicht wiedergeben. Sinngemäß war es wohl »Junge, du bist aber mutig – bis Hannover, das wird ein Abenteuer!« Der Capo di Capi vom Laden präzisierte es noch etwas: »Mann, mit Karre rollst du mir hier nicht vom Hof – das werde ich zu verhindern wissen.« Wenn mir doch endlich jemand etwas sagen würde, was ich noch nicht weiß! Menschen haben Telephone, um sich über einen erstaunlichen langen Zeitraum über das zu verständigen, was evident ist. Das Telephon ermöglicht es, diesen Zeitraum praktisch unendlich zu verlängern. Am Schluß dieses Prozesses behaupten die meisten, sie hätten gearbeitet. Das ist falsch. Nebbich! Die Lampen sind im Auto und müssen nach Hannover. Tragen und mit der Eisenbahn geht nicht (300kg). Ich will auch nach Hause. Benz braucht rund einer Woche, die Schlurre wieder zum Laufen zu bekommen – wenns denn schnell geht! Das Geheimwort der Woche heißt »Mietwagen« und die sollen mir die Karre hierherbringen, ganz einfach, den Rest mache ich! »Ich habe in 50 km Umkreis alles mit Rädern angerufen und es gibt rein gar nichts. Nur dort, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen gibt es noch ein kleines Auto, das allerletzte auf der Welt und der muß leider, leider morgen früh um 8:00 Uhr in Hannover abgegeben werden. Tut mir echt leid – viele Grüße, deine Else. Und abholen mußt du ihn natürlich… bei den Zwergen hinter… Sixt in Lörrach. Hast du noch genug Geld für ein Taxi? P.S. Du brauchst 200 Euro für die Kaution!« Ja natürlich, ich habe ja 300 Euro auf die Hand bekommen, bis hierher ca. 400 Euro aus eigener Tasche bezahlt, da wird es für ein Taxi wohl noch reichen. Die Schönheit unter dem silbernen Stern wird mir sicherlich ein Taxi rufen. Jetzt habe ich zum ersten Male das Gefühl, daß es wirklich absurd wird. Besser spät als gar nicht.

Ich kürze die Geschichte jetzt mal sinnvoll ab. Mietwagen (ein Knubbelchen von Fiat, immerhin mit Motor und nicht zum treten), der ganz Hof bei Sixt proppevoll mit »Mercedes Nutzfahrzeugen«, es wurde 16:00 Uhr und trotzdem war ich vor Mitternacht in Hannover. Ausgeladen, das Auto noch in der selben Nacht bei Sixt (natürlich an der falschen Rückgabestelle abgegeben – ist mir doch egal!) und dann aufs Motorrad und eine Stunde nach Hause. Gestern habe ich Cheffe darauf aufmerksam gemacht, daß die Lieferung ja noch auf Deutsche Verhältnisse umverkabelt sein muß, sonst sieht er morgen damit alt aus. Das habe ich heute gemacht ( und 3 Stunden auf Aderendhülsen gewartet) »wir haben da noch im Schrank auf der rechten Seite – die habe ich von meinem Großvater geerbt…« Nein, die waren alle! Friede ihrer Asche!

Morgen –

Ach, erwähnte ich schon, daß ich eien neuen Job suche? Rüstiger Mittsechziger sucht leichte Arbeit, auch gerne in Teilzeit. Alle Führerscheine bis auf Kettenfahrzeuge und Trucks.

Leider!

9 Gedanken zu „2 Tage im August II

  1. Thumbs up und ich habe gerade Pipi in den Augen.

    Wobei Lörrach und Weil am Rhein ja eher noch im Badischen liegen. Inzwischen glaube ich aber, dass die sich nicht mehr so „spinnefeind“ sind wie ehedem auch Franken und Bayern.

    Dazu muss man vielleicht auch wissen, dass im Südwestdeutschen die Muggen die Fliegen sind und nicht die Mücken, wie man so annehmen könnte.

    Falls Du in (Süd)-Baden einen Treffer auf ganzer Linie landen willst, probierst Du es mal mit „Gelbfüßer“;-)

    Zum Glück bin ich bisher mit Miet-, Wohn- und Umzugswagen von solch einer Misere verschont geblieben – lediglich die Emme hatte bei 30°C mal einen Kolbenklemmer kurz vor der Haustüre vermutlich wegen des hochwertigen Zweitaktöls aka synthetische Sch….., die bei den Temperaturen dann einen Filmabriss hatte. Jetzt kommt nur noch Stangenware mit 1:33 rein und die wird selbst gemixt.

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    • Moin, Siewurdengelesen

      Das fiel mir dann beim Schreiben auch auf, daß ich da schon wieder was verwechselt habe. Aber Du hast diese Figur in Blaumann und Latschen nicht gesehen, wie der im Motorraum wühlte. Da fiel mir sowohl in Weil wie auch beim Schreiben die Übersetzungstabelle vom Schwäbischen ins Deutsche ein. Genau so eine Figur, wie man sie sich dabei vorstellt. Wenn ich ihn doch nur verstanden hätte…

      Was aber die Verwechselung betrifft, so ist das für meine gefühlte Geographie südlich von Kassel; also Bayern

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  2. Eine feine Fortsetzung der Odyssee. Ich fühlte mich mit dieser Groteske, besonders da sie nicht mir widerfuhr, gut unterhalten. Alleine der Teil mit der hübschen Tresendame von Mercedes Nutzfahrzeuge läßt mich etwas unbefriedigt zurück. Ich verstehe zwar auch, daß man nicht gerne für einen Rainer Brüderle gehalten werden will, der mit seiner Chauvi-Heranwanzerei an die Damenwelt eher unvorteilhafte Maßstäbe gesetzt hat. Dennoch: kein Bild. Schade. Ich würde ersatzweise auch ein Foto akzeptieren, wie die geballte Firmenkompetenz einen Laptop öffnet.

    Was die Lizenz für den Landstraßenkapitän angeht, habe ich schlechte Kunde: Ich hatte mal alle Führerscheinklassen, die 4 mit 16, die 1 + 3 mit 18 und die 2 mit 21 gemacht. Nix Bund-LKW, da war ich nicht. Selbst und privat gemacht. Damit hab ich als Speditionsfahrer gute Teile meines Studiums finanziert. Ich hab alles chauffiert, vom Ford Transit bis zum Volvo F16, ob Zwischengas oder Synchrongetriebe, von 2 bis 6 Achsen und vom kurzen Leichtgewicht bis zu 20 Metern und 38 Tonnen. Wilde Zeit. Die Nebenidee: da kannste mal was Nützliches umd Gefragtes, wenn alle Stricke reißen. Denkste!

    Beim Zwangsumtausch zu den EU-Führerscheinen wurde mir die Klasse 2 abgenommen, sprich, nicht in diese C-Kategorisierung übernommen. Oder, wie es die über meine so lautende Beschwerde pikiert antwortende Dame der Führerscheinstelle beschied: natürlich NICHT abgenommen – ich hab die Lizenz längst nicht mehr und nun wirds halt auch amtlich. Sagt sie. Daß ich das anders sehe, ist natürlich nur „gefühlt“.
    Long Story short: Seit ner Weile wird das LKW-Patent nur noch befristet erteilt und man muß für jede Verlängerung ärztliche Nachweise beischaffen. Das haben die auch für rückwirkend beschlossen und damit wurde ich tatsächlich, ohne es zu bemerken, meiner Lizenz beraubt, weil mir das natürlich niemand erzählte und die Verlängerungsfrist für mich schon längst abgelaufen war. Wer die Lizenz nicht dauerhaft beruflich braucht und Kosten und Zeit vom Arbeitgeber ersetzt kriegt, hat damit Streß am Bein, der sich für Just-In-Case Hobby-Landstraßenkapitäne nicht lohnt. Entweder Du machst das dauerhaft für beruflich, oder eben nicht. Hop oder Top. Mal nebenher, so wie früher, als As im Ärmel, kannste diese Fahrerlaubnis abschminken.

    Gutes Gelingen bei nem neuen Job. Das erscheint aufgrund der geschilderten Umstände nachvollziehbar und sinnvoll. Auch ohne LKW-Schein.

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    • Moin Oldfart

      »…hübschen Tresendame von Mercedes Nutzfahrzeuge läßt …«
      Mich auch, Oldfart, mich auch.
      Die Vorstellung, wie der Alte um das Zimmer mit dem Laptop herumläuft, alles Mögliche andere macht und dabei denkt: » Ich muß den Computer in Ordnung bringen, ich muß den Computer in Ordnung bringen.«

      Ich war von der ganzen Aktion ja schon äußerst entgeistert ( wie ich in Teil eins schon schrieb: Hütet Euch davor, klein und hässlich zu sein); als ich mir das Drama mit seiner transportablen IT am Telephon anhörte, fiel mir so gar nichts mehr ein. Angefangen vom ängstlichen Gesichtsausdruck, mit dem er mir die 300 Kröten in die Hand drückte. Mein alter Chef von (Name meiner ehemaligen Schweizer Arbeitgeber) hätte mir eine Kreditkarte geliehen – man weiß ja nie und der Junge wird schon wissen, was zu tun ist, wenn was schief geht.
      Der Typ hat den billigsten, weit entferntesten Mietwagen genommen, den es überhaupt gab (mit Rückgabe in der selben Nacht). Alleine die Kosten für das Taxi hätten für ein vernünftiges Auto gereicht… rechnen können die ja auch nicht, diese Pachulken. Und mir dann traurige Geschichten vom letzten Mietwagen der Welt erzählen, an der Schweizer Grenze, eine Autovermietung neben der anderen, der ganze Hof bei Sixt voll mit Autos. Sozusagen gestapelt. Die Kaution läßt er mich bezahlen, bei der ganzen ADAC-Katastrophe steht nur meine Name und meine Telephonnummer in den Papieren. Diese Nummer ist so billig, so unfassbar primitiv, daß einem die Tränen kommen könnten.
      Und dann vergisst dieser Trottel auch noch, daß die Lampen bundesdeutsche Netzanschlüsse brauchen – ich rüste die ihm auch noch nach, damit er bei der Fete heute nicht wie der letzte Trottel dasteht.

      Die Fete habe ich geklemmt; mir gehts echt nicht so gut. Bei der Aktion habe ich mir die Grippe eingefangen. Morgen auch noch und da sehe ich mal… ich weiß da jemanden, bei dem ich gerne arbeiten würde. Streng genommen sogar 2 und Benzin ist noch genug im Tank.

      L.G., Pantoufle

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  3. Da heißt es immer, es gibt keine Abenteuer mehr…

    Immerhin war es nicht der nicht allzuweit entfernte Grenzübergang Waldshut-Koblenz, wo schon mal schärfer kontrolliert wird – da haben sie mich mal mit dem PKW rausgezogen und ausgefragt – normalerweise sehe ich am Zoll nur eine winkende Handbewegung. Immerhin filzten sie mich nicht. Allerdings zogen sie mal vor mir einen Trecker mit Heuballen raus – und da hätte ich schon gerne gesehen, wie sie die (maschinell gepreßten) Heuballen inspizieren. Und was sie da drin zu finden hofften. Und wie die Straße hinterher ausgesehen hätte… Leider war ich dann aber schon durchgewunken und konnte weiterfahren.

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    • Moin schwarzes Einhorn

      Vermutlich haben sie so eine Röntgenschleuse wie am Flughafen, nur etwas größer 🙂 Ich bin ja auch noch freiwillig rechts rausgefahren. Ich habe mich sowieso gewundert, warum sich niemand meine Ladung angesehen hat. Ich hätte ja auch eine halbe Tonne Kokain oder – noch schlimmer – 20 Flüchtelinge dabei haben können.

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  4. Bin schwer beeindruckt. Noch besser als deine Abenteuer ist wohl nur Travens Totenschiff, aber so viel besser nun auch nicht.

    Ole!

    All dieser biblische Stoff wegen Lampen? Gebrauchte, nicht ganz so teure? Irgendwer hier hatsenichmehralle. Und du erzählst das auch noch rum. Sind wir nicht beide zu alt für sowas?

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    • Moin Götz

      Ja, natürlich: Das Zeug kaufen, eine Spedition anrufen, die den Summs abholt, verzollt und dir vor die Haustüre schmeißt, kann ja jeder! Da muß man sich nur rechtzeitig kümmern und nicht 4 Tage vor der Veranstaltung, auf der die gebraucht werden. Und die wollten so etwa 500 € dafür haben – diese Wegelagerer!

      Ich war damit eigentlich auch ganz einverstanden. Mein Plan war ja, auf dem Rückweg in Aesch vorbeizufahren und in einem mir sehr gut bekannten Restaurant zu speisen (wovor man mich dringend gewarnt hatte: Iss bloss nichts in der Schweiz – das ist unfassbar teuer! Lieber in Deutschland ein Döner! »ich hab mal… und die wollten 40 Stutz für ein Mittagessen!…«) Man kennt sich aus in Hannover; immerhin fährt man einmal im Jahr in den Urlaub um die Preise zu vergleichen.
      Bei der Gelegenheit hätte ich noch ein paar Freunde besucht (und wäre vermutlich mit denen essen gegangen) um dann ganz gemütlich nach Hause zu fahren. Soweit mein Plan. Dem stand natürlich die glühend heiße Nadel entgegen, mit der man in der Provinz die eigenen Ideen strickte. Und dann war da noch dieser Kleinwagen, der da reingrätschte.

      Das war eine sehr gute Zusammenfassung all dessen, was ich an Deutschland so hasse. Das mußte ich wohl rauslassen, deswegen diese episch lange Geschichte. Schön, daß sie Dir gefallen hat! Wenn ich einen neuen Job habe, schicke ich Cheffe den Link 🙂

      Was weißt du, wenn du nicht suchst? Du mußt da raus und suchen.

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