
Eigentlich hätte ich mir die Zeit noch ein gutes halbes Jahr als »Arbeitssuchender« mit gemäßigtem Einkommen vertreiben können… allein – es war mir zu langweilig. Also ein paar Telephonate und zur Überraschung meiner Arbeitsamt-Else (ein freundliches Wesen, die mir so gar nichts Böses wollte) bin ich wieder beschäftigt. Dabei hätte sie mir so gerne einen 3wöchigen Kursus in Bewerbungschreiben spendiert, den ich freundlich, aber entschieden abgelehnt hatte. Wir hatten ein entspanntes Verhältnis. Auf meinem Regal steht noch ein Tütchen mit Leckerchen, welches ich ihr noch an die Tür ihres Büros hängen werde.
Wegen nicht unfairer Behandlung
Jetzt muß ich also wieder öfter tanken, die neue Arbeitsstelle ist in Hannover. Also nicht Basel oder London, sondern das etwa 50 km entfernte Hannover. Nicht 500 km oder 1000 km.
Das hat Vor – und Nachteile. Der Nachteil: Hannover! Das ist keine Stadt, sondern ein Zustand mit mehr Blitzern am Straßenrand als Einwohnern.
Der Vorteil: Es friert nicht mehr und es ist hell, wenn ich morgens zur Arbeit fahre!
Ein paar Motorradfahrer sind auch wieder zu sehen, dick eingemummelt und heftig winkend und auch ihre wiedergefundene Kurventechnik gibt Anlaß zur Hoffnung. Meine eigene ist auch stark verbessert – der Frühjahrsputz an der Yamaha brachte den Austausch des Lenkkopflagers mit sich; es fanden sich beim Fegen noch die originalen Kugellager, die guter Ware in Form von SKF-Kegelrollenlagern weichen mußten. Damit nicht das ganze Dorf mitbekommt, wann ich zu Arbeit fahre, ist der Zwischendämpfer am Auspuff durch ordentliche Gebrauchtware ersetzt. Der alte bestand hauptsächlich aus Schweißnähten – irgendwann ist gut! Frisches Öl, dort wo Öl vonnöten, neue Kerzen, ein buntes Körbchen von Ersatzteilen und es fährt sich gleich viel geschmeidiger.
In einem Anfall von Hexenglauben habe ich eine obskure Flüssigkeit von Polo in den Tank gekippt, die angeblich Vergaser und Ansaugwege reinigen soll, worauf die Vergaser aus allen Dichtungen leckten (hat sich nach 300km wieder gelegt!) Aber das nächste Mal wollen wir dann doch lieber das Übel ausbauen und ins Ultraschallbad schmeißen. Es war ja auch nur ein Experiment und die Werkstatt war noch sehr kalt. Für alte Yamahas mit Vergaser: Bedingt empfehlenswert!
Auf der Habenseite steht allerdings ein gleiches Kerzenbild auf allen vier Zylindern. Da hinkte Nummer Zwei vorher den anderen Drei deutlich hinterher und das war ja der ausschlaggebende Grund für die Behandlung gewesen.
Das ist die karge Bilanz der Liste des Fortschritts.
Es ist nicht leicht für einen alten Mann, den Zustand der Welt zu verstehen, beziehungsweise zu beschreiben. Man findet bestenfalls Beispiele für die Verrottung und den Rückschritt.
Im Juli 1972 wurde in den USA der Kommödiant George Carlin verhaftet, nachdem er seinen bekannten Sketch »seven dirty Words« in der Öffentlichkeit aufgeführt hatte und sich irgend jemand darüber aufgeregt hatte. 53 Jahre später schreibt sich ein aktueller Bericht darüber so: »In the early 1970s, Carlin perfected his well-known “seven dirty words” routine, which most notably appears on Class Clown as follows: “Sh*t,’ ‘p*ss,’ ‘f*ck,’ ‘c*nt,’ ‘c*cks*cker,’ ‘motherf*cker,’ and ‘t*ts.’ Those are the heavy seven.« Dreiundfünzig Jahre konnten die Sternchen nicht austrocknen.

Und so schreiten wir einer herrlichen Zukunft entgegen.
Moin,
ganz schön hässlich, diese WP-Bloks. Uäh. 😛
Letzten Herbst dreimal die Kette gekürzt, dann war sie immer noch nicht lang genug. Ich musste dann feststellen, dass der Vorbesitzer nicht zählen konnte und das Schaltwerk nicht zur Kassette passte. Mal eben günstige 187 Ocken für ein neues Schaltwerk hingelegt, schon ging es. Sogar bergan. Kauf dafür mal ein Getriebe!
Anyway, eigentlich wollte ich nur sagen: Schön, mal wieder was. Jetzt, wo du wieder lohnarbeiten musst, ist bestimmt wieder mehr Zeit 😉
cheers
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Moin Duke
187 Steine? Exakt das hat mein neuer Auspuff gekostet 🙂
Wie ich bereits anmerkte, mußte ich gar nicht lohnarbeiten, sondern wollte es. Und zudem bin ich in eine richtig nette Bande reingerutscht, mit denen ich viel Spass habe. Zeit habe ich tatsächlich wieder mehr; die eigenen Projekte hatte ich letztes Jahr ganz gut fertig bekommen und jetzt mache ich mich nicht gerade tot. Dafür mit einem sehr anständigen Gehalt und tatsächlich viel Freizeit. Man könnte sagen, ich habe mich verbessert und baue zum Glück keine Autos.
Ja, soweit ganz gut und selbst das Interesse an der Welt im Allgemeinen meldet sich langsam wieder – nur habe ich mir wohl den falschen Moment dafür ausgesucht. Ich arbeite daran, wieder meine eigenen Geschichten zu entdecken. Dazu gehört auch, daß WP praktisch unbenutzbar geworden ist. Für die Benutzung der Backspace-taste verlangen die neuerdings Extrageld wie auch für Kommas oder Bilder einbetten.
Ein Elend!
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Zu WP: Ja, es ist bemerkenswert, dass selbst der Autor ein Plugin braucht für die Möglichkeit, einfach ein bisschen zu tippen und selbständig Tags zu benutzen. „Classic Editor“ – weil ohne „classic“ ist das offenbar jetzt ein eigenes Betriebssystem mit kryptischem CMS, Cloudanbindung und – hahaha – Blockchain.
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Zum schöner rasen reicht ein Teelöffel Spiritus pro Tankfüllung. Der nimmt die Tröpfchen behende mit in den Auspuff und Ruhe is.
Hat mir bei IFA F9 oft geholfen. Aber du musst ja einen Zylinder mehr betreuen.
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Moin Götz
Einen Zylinder und 2 Takte mehr, um genau zu ein.
Aber das ist nicht der Punkt. Es war nur meine eigene Faulheit, über die ich gestolpert bin. Statt das Zeug ordentlich auseinanderzunehmen und zu sachgerecht warten,kippt man irgend ein »Geheimrezept« in den Tank und wähnt sich sicher.
Das erinnert sehr an die Unsitte: »Ich hab ihm eine E-Mail geschickt und damit ist das Problem erledigt«. Mit etwas Nachdenken fallen einem sicherlich noch mehr Beispiele ein.
Ich kenne natürlich auch so ein paar Rezepte, aber gemessen an der Menge von Problemen sind es erbärmlich wenige.
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Wen lese ich da? Lang vermißt, gleich wieder erkannt (Es hat mich jemand freundlich hierhergeschickt, als ich mal wieder rumjammerte, daß mir die Schrottpresse fehlt).
Hin und wieder gibts also auch was Erfreuliches…
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Moin, schwarzes Einhorn
Das mich jemand vermisst, rührt mein Herz – willkommen in einer kleinen, elitären Nischensekte.
Aus dem ewig Reisenden ist ein stiller Dorfbewohner geworden, der wenig mehr als die Musik und sein Motorrad liebt. Das Leben ist ein wenig schal geworden. Aber ich bemühe mich, es mir nicht allzusehr anmerken zu lassen. Willkommen zurück
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