Presseschau 19. September 20124

Welches ist eigentlich die aktuelle Generation? Neuerdings gibt man den Jahrgängen ja Bezeichnungen, damit sie besser einzusortieren sind. Bei der aktuellen ( also gerade Führerschein bestanden, Klasse dreirädrige Automatikfahrzeugen ohne Nachtfahrgenehmigung und Anhänger aber mit Elektroantrieb), im Restaurant bei der Bestellung einen halbstündigen Vortrag über Inkompatibilitäten der Speisezubereitung mit dem eigenen, aktuellen Gesundheitszustand…

Bei mir firmieren sie unter »Generation Schorle«, bei der selbst das Mineralwasser halb und halb sein muß. Natürlich nicht Wodka – stilles Wasser oder Gin – Tonic.

Das ist ein Problem, nicht nur bei einer Presseschau. Denn die Nachrichtenlage ist eben auch verwässert. Flatter hat das für mich ziemlich auf den Punkt gebracht.

Man nimmt es einfach nicht mehr wahr. Teile meines Gehirns sträuben sich, den Stoff so einzuordnen wie das Wetter oder die Wasserrechnung. »Terrorismusforscher zu Pager-Angriff „eine Form von psychologischer Kriegsführung«. Da muß man schon in einer sehr abgeschotteten Welt leben, um so einen Satz formulieren zu können.

Im neuen Deutschland steht ein Artikel über einen Film über Lee Miller, die ich sehr verehre. Irgend jemand hat einen Film über ihr Leben gedreht (zum Glück eine Engländerin und nicht US of A oder D-Land). Miller hat den Krieg photographiert, da, wo es besonders eklig war und war in der Nachkriegszeit machtlos gegen eine Clique, die an der Veröffentlichung ihrer Arbeiten aus politischen Gründen nicht interessiert waren – so wenig wie heute im Falle Libanons, der Ukraine oder jedem anderen beliebigen Krieg. Parallel dazu saß ich in einem Vortrag »Halluzinierte Vergangenheit – KI versus historische Fotografie« von Boris Eldagsen im Braunschweiger Photomuseum. Der Titel führt leicht in die Irre: Eldagsen erschafft seine (teils erstaunlich berührende) Bilder mittels KI, eine Kamera kommt da gar nicht mehr vor. Dazu verwurstet er teils historisches Material, welches dadurch natürlich restlos diskreditiert wird. Mit einem dieser Bilder gewann er den renomierten Sony World Photography Awards und lehnte die Annahme des Preises ab. »He said he used the picture to test the competition and to create a discussion about the future of photography.«

Ich tue mich schwer mit der Herangehensweise, einerseits die Fälschung als Kunstform zu etablieren und zum anderen vor den damit einhergehenden Gefahren warnen zu wollen, vor allem, wenn das eigene Oeuvre vorzugsweise aus dem Laptop stammt. 

Ebensogut könnte man einen Nonsenssatz wie »Terrorismusforscher zu Pager-Angriff „eine Form von psychologischer Kriegsführung“« als Kunstform deklarieren. Sollte man wohl auch besser.

2 Gedanken zu „Presseschau 19. September 20124

    • Moin Götz

      Ja, Heimtücke. Mal sehen, was denen als nächstes einfällt: Häschenpuppen, die auf Knopfdruck explodieren? Aber die Zeit ist wohl so – was las ich heute morgen? »Cooler Move. BND oder MAD wären zu so einer Aktion gar nicht fähig.«

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