Außerparlamentarische Opposition

Terror verhindern

»Der jüngste Sonntagstrend, den Bild am Sonntag bei dem Umfrage-Institut Insa in Auftrag gegeben hatte, sah die Liberalen deutschlandweit auf 4 Prozent rutschen. Das war noch vor den Landtagswahlen im Osten. Mit einem solchen Ergebnis im September 2025 würde Christian Lindner seine Partei in die außerparlamentarische Opposition führen.«

Außerparlamentarische Opposition ist nun das letzte Wort, was mir bei »FDP« einfällt, da muß ich gar nicht erst aufzählen, was stattdessen. Alles, nur eben nicht »Außerparlamentarische Opposition«. Aber so ist das mit der schleichenden Übernahme von Inhalten und Begriffen, die mit steigendem Lebensalter von Empörung in Verständnislosigkeit wechseln.

Nun waren die Wahlen allerdings schon; nicht 2025, sondern ein Jahr zuvor, geplant und durchgeführt in Sachsen und Thüringen als Wahlwerbung für die Faschisten für die nächste Bundestagswahl. »Guck mal Mami: Sie haben nicht mal einen Fackelumzug gemacht!«

Oder habe ich was übersehen?

»Internationale Presse nach Sachsen- und Thüringen-Wahl: „Putin hat beunruhigenden Sieg errungen“« schreibt eine gewisse Anne-Christine Merholz in der FR und läuft sich damit gewissermaßen warm auf der Suche nach den Schuldigen der Faschistisierung der Parlamente. Das wird sich bei einer Wiederauflage der Nürnberger Prozesse gut machen. Nicht »wir haben doch von alledem gar nichts gewußt!« sondern schlicht »Putin!«

Ja, ich habe etwas übersehen.

Die angenommenen folgenden Zitate der Anne-Christine Merholz waren leider schlecht gekennzeichnete Zitate ohne Links und Quellenangabe der Auslandspresse, was mir in meinem Brausekopf bedauerlicherweise entgangen war. Da von dem Artikel der FR lediglich ca. 18% des Textes von der Autorin stammen und selbst die Überschrift bzw. Titelzeile vermutlich nur ein Zitat ist (wessen?) bleibt wenig Zitatfähiges. Nämlich dieses:

»Die Welt schaut hin, wenn in Deutschland gewählt wird. Von der New York Times bis zur NZZ, so ordnen die internationalen Zeitungen die Wahlen in Thüringen und Sachsen ein. Die Sachsen-Wahl und die Thüringen-Wahl mit ihren starken Ergebnissen für das BSW und die AfD schlagen auch im Ausland hohe Wellen. Während Zeitungen aus der Schweiz auf den Niedergang der Ampel-Koalition und die Niederlage von Kanzler Olaf Scholz verweisen, sieht die italienische „La Republica“ den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Gewinner. Hier ein Überblick:«

Da also manges Masse nichts zu zitieren ist, muß ich das, was im ursprünglichen Text stand, streichen.

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß die AFD verboten gehört.

Historische Fun-Facts: 1951 sprach der Hochkommissar John McCloy in einer vom Bayrischen Rundfunk übertragenen Rede:

»In manchen Gegenden Deutschlands versuchen wieder kleine Gruppen die Irrlehren, die alten Schlagworte und Taktiken zu vertreten, die Deutschland in Trümmer gelegt haben. Das deutsche Volk sollte diese Versuche nicht übersehen und durch seine demokratische Regierung wirksam gegen sie einschreiten.«

Gegenüber Kanzler Adenauer wurde er deutlicher: Entweder Ihr beseitigt den Dreckshaufen oder die Alliierten verhaften die Nazis. Das wirkte offensichtlich. Das erste Parteiverbot der noch sehr jungen Bundesrepublik kam zustande. Die Bundesregierung erklärte die SRP für »staatsfeindlich«. So einfach ging das.

Der Spiegel 1.5.1961

Der Spiegel 2.3. 2012

8 Gedanken zu „Außerparlamentarische Opposition

  1. „Aber als staatlich geprüft Kuh-Journalistin versucht sie dann trotzdem zaghaft den Schritt in Richtung dessen, was sie als Realität missversteht:“

    Und bedient damit genau dieselben Ressentiments, wegen derer u.a. eine faschistische Partei bei Faschisten Wahlerfolge einfährt – ups…

    …und wenn dann nahezu alle Parteien den Mussolini tanzen, um die AfD zu überbieten, kommt halt so was raus dabei.

    Scholz kann man ja Vieles vorwerfen, die „Migration“ als Haupt-Bullshit-Thema ist Mr. Cum-Ex´ Kernkompetenz nicht und auch nicht.

    Die FDP übersieht als Vertreter der Hoteliers und Umfeld vielleicht auch ein wenig, dass neben der eigenen, grenzenlosen Arroganz im Osten eher weniger ihrer vermeintlichen Klientel existieren. Vermissen dürfte diese Stänkerfritzen im Tagesgeschäft sowieso keiner und mir erschließt sich auch bundesweit nicht, wie die überhaupt für Irgendjemanden noch eine Wahloption sind – überall Zünglein an der Waage sein wollen, nichts verantorten und ansonsten auch maximal inkompetent.

    APO war auch schonmal das Drecksblatt und hat da den Begriff euphemisiert und entfremdet, der etwas ganz Anderes bedeutete.

    Ist wie immer in der Kürze nicht umfassend und eher rohes Gedankengut, aber sonst wird das halt wie so oft tl;dr.

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  2. Moin Siewurdengelesen

    Wie Du siehst, mußte ich den ursprünglich Text zur Hälfte streichen. Das Zitat, »wegen derer u.a. eine faschistische Partei bei Faschisten Wahlerfolge einfährt« stammt aus Österreich vom »der Standart«. Was den Artikel in der FR nicht besser macht.

    Was die FDP anbetrifft, so ist ja gerade die Belanglosigkeit dieser Partei gerichtlich festgestellt worden. Dagegen stinkt die schönste Satire nicht an – nicht zu toppen!

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  3. Der verwurstete Artikel der FR ändert ja nun nichts an den Tatsachen, ebensowenig wie am Umstand, dass durch die Zeit in der BRD gegen „links“ stets rigider vorgegangen wurde und wird als gegen „rechts“, sei es bei rechtem vs. linken Terror, Protesten oder eben Parteiverboten.

    Das die Allierten da noch nennenswert eingreifen, schiebe ich mal in´s Reich der Legende. Die aus dem Osten haben ihren Oberfascho und die aus dem Westen die ihren auch und es ist nur noch nicht völlig klar, wer beim POTUS das Rennen macht. Die anderen dürften wenig Interesse daran haben, die AfD zu verhindern. Das muss also eine deutsche Regierung selber in die Hand nehmen und wenn, dann hoffentlich nicht so dilettantisch wie N. Faeser im Umgang mit dem Fischblatt Elsässers.

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  4. Moin Siewurdengelesen

    »Der verwurstete Artikel der FR ändert ja nun nichts an den Tatsachen,…«

    Eben! Deswegen hab ich den Rest auch so stehen gelassen, weil es letztendlich egal ist, wer weiter in dieses Horn bläst – sie reichen sich die Trompete eben nur weiter; FR, Standard, La Republica und wie sie sie alle heißen. Allein die Zumutung, eine Tageszeitung aus einem faschistisch regierten Land zur Fragwürdigkeit der AFD zu zitieren… »Der Keim des Putinismus wächst sogar in strukturierten Ländern[…]« ( La Republica).

    »daß die Alliierten da…« habe ich nicht im Traum gedacht oder gemeint. Das war 1951 und man leckte sich noch die Wunden und wischte das Blut vom Fensterrahmen. Zur Zeit eines McCloy war das vielleicht nicht ganz so undenkbar, was aber mehr als 70 Jahre zurückliegt. Und 73 später ist die Totalaussetzerin Faeser leider das Maß der Dinge. Prototypisch für alles, was man sich unter »Politik« vorzustellen hat. Und Faeser sowie ihre Spießgesellen sind nicht nur im Umgang mit Elsässer dilettantisch.

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  5. Faschismus von italienisch Fascio, das Bündel aus Digital-finanziellem Komplex, Militär-industriellem Komplex (Pharma lassen wir mal weg) mit der Exekutive und Legislative scheint mir eher durch die Einheitspartei aus Ampel und Scheinopposition zu drohen… Wenn das Verbot der AfD da die Lösung bringt, wen soll ich da wählen, wenn ich Faschismus weder von Links noch Rechts so recht mögen tue? Haste nen Tipp?

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    • So sehe ich das auch. So bleiben wir wenigsten souverän… 😉 Wenn es die Enkelchen nicht gäbe, wäre ich schon weg… Südsibirien oder Nordschweden, Gegenden ohne größere Industrie – also no Target-Zonen.

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