Mach die Musik leiser…

…man kann sich ja gar nicht unterhalten!

Soll man auch gar nicht, deswegen läuft ja Musik. Ich höre jetzt Musik. Wenn ich mich unbedingt unterhalten will, läuft sie nicht. Nicht einmal leise, sondern gar nicht. Dann versuche ich mich eventuell zu unterhalten, soweit es dein  schnurloses Telephon zuläßt, dessen Gegrunze, Fiepen oder Vibrieren in jedem Falle wichtiger ist als alles, was ich anzumerken hätte.

Und damit ich das nicht hören muß, raus aus meinem Zimmer! Sonst mache ich die Musik mal wirklich laut, damit ich dein dummes Geblubber nicht mehr hören muß.

Mal wieder an einem Theater – dieses Mal mit dem Adjektiv »staatlich« davor. Die Regisseurin hat während der langen Proben den Laden nicht mehr als nötig aufgehalten und die Musiker haben ihre anfängliche Scheu vor fremden Technikern nun abgelegt. Aber jetzt ist Wochenende und und da ist Spielbetrieb, keine Probe. Proben sind nächste Woche wieder und jetzt warten die Bühnenarbeiter auf ihren Einsatz und die warten nur höchst ungerne. So zitterig wie Hunde vor dem Gassigehen.

Aber dazu muß erst mal der Krempel von der Bühne verschwinden; die paar Mikrophone, Stative und Kabel sind dabei das geringste Problem. Die verdunsten gerade. Und selbst die Musiker haben völlig überraschend ihre Klingeln, Verstärker und Instrumente in Rekordzeit zusammengeräumt. Nun liegt der Krempel transportfertig, wenn auch im Weg am hinteren Bühnenrand.

Das ist der Regisseurin ihre Stunde! Flankiert von der Assistentin kommt das, was kommen muß.

»Wo ist denn der Raum, in dem wir die Instrumente bis Montag lagern können?«

Den gibt es nicht – das ist allen Beteiligten von Beginn an klar, aber man kann es ja mal versuchen. In Schlagdistanz steht der Transporter vor der Rampe und wäre theoretisch in 10 Minuten gefüllt. Aber das wäre gegen die Tradition.

»Gute Frau – wir haben keinen Platz dafür und wir werden auch heute keinen haben. Man mag das bedauern oder auch nicht. Kein Platz!«

»In dem letzten Theater hatten sie aber welchen (eine dreiste Lüge)! Wer ist denn dafür verantwortlich?«

»Nicht die Tontechniker«

»Aber es muß doch einen Verantwortlichen dafür geben. In dem letzten Theater […]«

»Gnädigste: Wir haben dieses Problem bei praktisch jeder Produktion. Wir haben keinen Platz und das war im Vorfeld auch »nicht anders kommuniziert«. Und es kann auch nicht sein, daß wir eine halbe Stunde vor Feierabend diese offensichtliche und unlösbare Tatsache zu unserem Problem machen. Ab damit in den Transporter und wir können weiterarbeiten.«

»Ja, ich verstehe ja euer Problem, aber…«

Nein, Madame: Du verstehst überhaupt nichts! 

Ich schnappe mir den Azubi und räume dann schon mal unseren Kram weg. 10 Minuten später (der Kollege hat so lange die Stellung gehalten) :

»Wen kann ich denn anrufen, der uns sagen kann…? « Um diese Uhrzeit niemanden! Die sitzen vorm Kamin oder der Wärmepumpe und haben Feierabend. Und da ist es wieder, dieses Gespenst, daß man irgend etwas damit regeln kann, indem man den Akku eines Mobiltelephons leert.

Der Kollege Bühnenmeister, den sie als nächstes versucht für ihr Problem zu begeistern, beobachtet uns bereits grinsend seit geraumer Zeit. Seine Vorfreude, ihr ein steinernes »Nein« zu schenken, ist ihm ins Gesicht gemeißelt. Warum tapert sie trotzdem so optimistisch zu ihm? 6 mal 10 Minuten sind eine Stunde. Alte Rock`n`Roll-Weisheit! Und auch er möchte gerne Feierabend machen.

Und das ist wohl einer der größten Unterschiede zwischen Theater und Rock`n`Roll. Nutze die Zeit, die dir zur Verfügung steht. Triene: Du hattest mehrere Tage Zeit, einen einfachen Vorgang zu planen! Aber du hast es verpennt und jetzt versuchst du es in letzter Sekunde zu delegieren. Und schlimmer noch – seit geraumer Zeit wirst du von der kompletten Crew beobachtet, wen du dir als nächstes schnappst und von der Arbeit abhälst. Die kennen das nämlich schon und warten nur auf deinen Auftritt. Und erzähl uns nicht, daß das an irgend einem anderen Theater davor anders war.

Es ist ein Ritual, von der ersten Sekunde an zum Scheitern verurteilt. Immer, unausweichlich! Selbst die Dialoge sind genormt: »Ich verstehe ja Euer Problem, aber…« ich habs verpeilt, verpeilt, verpeilt und versuche jetzt, diese Lappalie, deren Ende bereits Geschichte ist, mit dem Hinweis auf die Existenz eines mystischen »Entscheiders« zu kippen.  Es ist bereits entschieden, sieh es endlich ein!

Während sie die Garderobiere bearbeitet, haben die Mucker begonnen, ihren Klüngel in den Transporter zu packen. Sie sind sogar recht fix und gleich wird sie alleine auf den Brettern stehen, die die Welt bedeuten und nach »Verantwortlichen« Ausschau halten.

Die Jacke habe ich schon an, die Lichter gehen eines nach dem anderen aus. Und auch Frau Regisseurin wird in 2 Minuten vergessen haben, womit sie sich wieder einmal blamiert hat.

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sowie mit tagespolitischen Idiotien sind unbeabsichtigt, es wurden keine Tiere (nur Techniker) für diesen Absatz gequält.

Schnipsel

Der Wandel begann im 19. Jahrhundert, als der medizinische Fortschritt die Sterblichkeit verringerte und die Bevölkerung anstieg. Das wiederum führte zur Überbelegung der Friedhöfe…

schnelle außerplanmäßige Demontage (die Rakete ist explodiert)

„Läßt Musik Bilder bei Ihnen entstehen? “ „Nein, ich höre dann Töne“

Ein Gentleman ist jemand, der das Akkordeon spielen kann, es aber unterläßt.

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