»Meine unmittelbare Reaktion, meine ‚Betroffenheit‘ nach dem Abschuß von Buback ist
schnell geschildert: Ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht
verhehlen. Ich habe diesen Typ oft hetzen hören. Ich weiß, daß er bei der Verfolgung,
Kriminalisierung, Folterung von Linken eine herausragende Rolle spielte.
Wer sich in den letzten Tagen nur einmal genau sein Konterfei angesehen hat, der kann erkennen, welche Züge dieser Rechtsstaat trägt, den er in so hervorragender Weise verkörperte.
Und der kennt dann auch schon ein paar Züge von Gesichtern jener aufrechten Demokraten, die jetzt wie ein Mann empört und betroffen aufschreien.«
Die Nachricht zum aktuellen Attentat habe ich eher mit einem Gefühl von Langeweile gelesen. Alles schon mal mehr oder weniger geglückt dagewesen.
Gedanke Nr. 1: Joe Biden (81 Jahre) und Donald Trump (78 Jahre), Präsidentschaftskandidaten zur nächsten Wahl in den USA sind beide in einem Alter, in dem ein antikes, römisches Publikum zunehmend ungeduldig auf eine Prise Gift oder einen Dolch gewartet hätte (wenn sie denn überhaupt so alt geworden wären – »gewählt« hätte man sie ohnehin nicht). Das hat mit der höheren Lebenserwartung des 21. Jahrhunderts erst einmal gar nichts zu tun, sondern mit dem Missverständnis, körperliche Existenz mit irgendeiner geistigen Leistungsfähigkeit gleichzusetzen. Da muß man realistisch feststellen: Irgendwann ist Schluß!
Gedanke Nr. 2 »Georg Elser…Georg Elser…«
Gedanke Nr. 3 »John Wilkes Booth…John Wilkes Booth…«
Gedanke Nr. 4 »Riesling oder Dithmarscher Urtyp?«
Neues auf dem Plattenteller
Tamara Lukasheva & INSO Lviv Orchestra, »Anima«, erschienen 28.06.2024 auf dem »Tangible Music« Label.
Tamara Lukasheva stammt aus Odessa, lebt und arbeitet als Jazzsängerin und Komponistin seit 2010 in Köln. Aufmerksam wurde ich auf sie vor etwa einem Jahr durch ein Youtube-Interview, bei dem Frau Lukasheva ein Crowdfounding- Projekt vorstellte, das es ermöglichen sollte, ihre Musik auf Vinyl herauszubringen. Ich kann nur vermuten, daß es dem Label in Verkennung der Marktlage als überflüssig erschien, auch Vinyl als Tonträger in Betracht zu ziehen…Downloads und Streaming sind ja so unendlich viel besser und billiger… . Jedenfalls kam wohl genügend Geld zusammen und ich hatte die Geschichte eigentlich schon vergessen.
Und da schau her! Wenn der Postmann nicht klingelt, sondern in den Flur hereinruft, ob jemand da ist.
Ja, bin da und der Plattenteller dreht sich schon.
Was soll man sagen? Für eine Stunde erst einmal gar nichts. Und auch ein paar Stunden später fällt das Reden darüber schwer. Mir hat gerade jemand etwas sehr persönliches erzählt – mit leiser Stimme und nur mir alleine.
„Ich will diese Lieder weder mit Wut noch mit Hass oder Aggression singen, sondern etwas Tröstliches geben. Ich will uns in den Zustand der Menschlichkeit zurückführen“
Ja. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Außer vielleicht, daß wenigstens mein Exemplar von Platte von blitzsauberer Qualität ist. Kein Knistern , kein Dreck, kein verzweifelter Ruf nach dem Ultraschallbad (wie leider so häufig bei Neupressungen). Eine sehr schöne, räumlich ausgezeichnet eingefangene Orchesteratmosphäre. Die einzige Winzigkeit, mit der ich nicht zur Gänze einverstanden bin, ist die Verwendung eines handheld-Micros (Neumann KMS 105? … so klingt es wenigstens) für Frau Lukasheva. Das fällt ein wenig aus der Räumlichkeit des Orchesters heraus – die Dame sitzt mir akustisch auf den Knien, das Orchester hockt einige Meter dahinter. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau und auf Youtube nicht hörbar.
Als Beschreibung des Problems (und seiner Lösung) fiele mir diese Aufnahme ein und um einer Russin das Wort zu geben:
Eine sensationelle Aufnahme Giovanni Antoninis »Il Giardino Armonico«, die es aus mir völlig unverständlichen Gründen nicht auf Vinyl gibt.
